30.9. – 30.10.2013 – Quebec (Teil III) und Ontario – 2.006 km

Jagdtrophäe, gesichtet kurz vor Montreal auf dem Highway.

Montreal! Wir stehen zwischen dem Golfclub und dem kanadischen Legionärsclub, aber doch angenehm ruhig. Sicherheitshalber fragen wir noch mal nach, ob wir hier auch niemanden stören und haben “freie Fahrt“ für die nächsten Tage.

Wir laufen 20 Minuten bis zum Flughafenexpressbus, der uns direkt in die City bringt. Erstes Ziel ist das Olympiastadion von 1976. An den Gebäuden nagt schon mächtig der Zahn der Zeit. Wir interessieren uns hauptsächlich für den Olympiaturm, auf den man außen hinauffahren kann. Ganz interessant, doch ich bin auch ein wenig enttäuscht, da von der Skyline Montreals von hier aus gar nichts zu sehen ist. Man sieht hauptsächlich den kompletten Olympiapark von oben. Trotzdem: Der Turm selbst mit seiner Neigung von 45 Grad war sehr interessant anzuschauen.

Mit dem 3-Tages-Ticket der Metro geht es zurück in die City. Wir schlendern herum, trinken unseren Kaffee im Park und beobachten die Eichhörnchen. Die Füße qualmen und wir sind nur noch müde.

Wie kann ich mich in die Warteschlange am Bus mogeln???

Am nächsten Tag steht der Viewpoint auf dem Mont Royal auf dem Programm. Wir laufen los: erst den Buckel in der Stadt hoch und dann über 400 Stufen hinauf auf den Berg. Jetzt habe ich endlich meinen Blick auf die Skyline Montreals, wenn auch sehr diesig.

Der Abstieg ist wesentlich einfacher. Wir bummeln weiter zum Chinesenviertel. Plötzlich sind wir in einer ganz anderen Welt, die uns ein wenig an das alte Peking erinnert. Chinesische Backwaren und ein Kaffee versüßen den Tag.

Danach werfen wir einen Blick in die enorme unterirdische Shopping-Mall. Nicht wirklich was für uns, zumal die Sonne scheint.

Berlin ist auch vertreten

Wir schlendern lieber zum alten Hafen und zurück durch die Altstadt. Hier gefällt es uns.

Kirche in der Altstadt…

Früher … Traffic war aber damals auch schon kein Fremdwort ….

Heute

Die Bank of Montreal ist ein wunderschönes Gebäude, das auch von innen besichtigt werden kann. Es gibt noch ein kleines kostenloses Museum dazu.

Mein erstes heimliches Foto in einer Bank ……

Mein letztes heimliches Foto in einer Bank …….

Bevor wir nach 3 Tagen Montreal verlassen, gibt es noch einige Highlights, die wir allerdings selbst anfahren wollen. Zunächst geht es noch mal auf den Mont Royal und zum Oratorium. Hier gibt es eine sehr moderne Wallfahrtskirche, die 1904 geplant und in den 30er Jahren fertig gestellt wurde. Bruder André, der den Bau der Kirche angeregt hatte, wurde 2008 vom Papst heilig gesprochen. Er hatte hier zunächst in seiner Freizeit eine kleine Kapelle errichtet, in der er wohnte und auch mit den Pilgern betete. Nachdem einige von Wunderheilungen berichteten, wurde der Andrang immer größer und die Wallfahrtskirche wurde geplant.

Bruder André wurde hier auch beerdigt. Eine Statue ist wie ein Graffiti mit Wünschen übersät.

Statue mit 4.000 Kerzen

Nächster Halt sind die vorgelagerten Inselchen mit einem Überbleibsel der EXPO von 1967 (kugelförmiger Pavillon der USA), der Formel I – Rennstrecke und dem Casino, das rund um die Uhr geöffnet ist.

Am Casino fängt uns gleich die Security ab… super, geht schon gut los …. allerdings nur, weil er unser Wombi sehen will. Dafür bekommen wir einen Parkplatz zugewiesen und er shuttelt uns zum Haupteingang… perfekt. Ich würde ja ein paar Dollar einsetzen, habe aber keine Ahnung, wie die blinkenden und dudelnden Dinger funktionieren. Die Tische im 2. Stock sind da schon interessanter. Zwar geht es hier auch nur um „Kleinbeträge“ zwischen 300 und 3.500 Can$. Trotzdem bin ich erstaunt, wie voll es hier schon am Nachmittag ist und wie die Geldscheine und Getons hin und hergeschoben werden.

Auf die Rennstrecke dürfen wir heute nicht, da diese für dieses Wochenende von Ferrari gebucht wurde. Für 150 Can$ könnten wir aber 2 Runden drehen … allerdings nur mit den vorhandenen Ferraris und Lambos. Mit Wombi wollen sie uns heute nicht auf die Strecke lassen. Mist!

Ein privater Audi R 8 durfte aber mitspielen …ob es an der V-max. lag???

Jetzt aber nichts wie raus aus Montreal. Wir landen mitten in der Rush Hour und benötigen für 20 km 1,5 Stunden.

Kurz vor Lachute bleiben wir am Golfclub stehen, treffen dabei auf den Besitzer und erfahren im Gespräch, dass er vor 15 Jahren mit seiner Frau 100 Tage lang durch Europa gereist ist. Wir bekommen einige Tipps für unsere Weiterreise, plaudern noch eine Weile und dürfen dann auch über Nacht stehen bleiben.

Da es am nächsten Tag regnet, beschließen wir, hier einen Standtag einzulegen, zumal es sogar WIFI gibt. Allerdings findet heute das Saison-Abschluss-Tournier statt und um 9:30 Uhr in der früh parken schon 40 Autos hier. Unglaublich.

Am späten Vormittag machen wir einen Rundgang und bekommen von Danny, dem Besitzer, interessante Infos zum Golfen. Z.B. kostet ein Golfwagen (kostet 5.000 Can$) für eine Runde Golfen 35Can$!!! Diese haben sogar GPS, so kann an fest programmierten Punkten die Geschwindigkeit gedrosselt werden und der Golfer weiß auch noch, wie weit es bis zum nächsten Loch ist. Die Golfbälle, mit denen man den Abschlag übt, werden gekauft, einmal abgeschlagen und bleiben dann auf dem Rasen liegen. Diese werden ein Mal wöchentlich eingesammelt, gewaschen und wieder verkauft …

Als wir gegen Mittag unsere mails checken, habe ich eine mail von einem Deutschen, der heute früh am Legionärs-Club in Montreal war. Er wohne direkt dahinter und habe gerade gehört, dass wir bis gestern dort gestanden hätten. Wenn wir Lust hätten, sollen wir ihn doch anrufen und heute Abend beim Oktoberfest in Vankleek Hill treffen.

Wir rufen also an … Eine Brauerei veranstaltet ein Oktoberfest. Da Vankleek Hill nur 50 km von uns entfernt ist, sagen wir zu und sind gespannt, was uns erwartet.

Vor Ort suchen wir erst mal wieder das Oktoberfest … Nach einigem hin und her landen wir an der Brauerei, vor der ein Mini-Zelt mit 6 Tischen steht. Das scheint ja ein Kindergeburtstag zu werden … Wir gehen trotzdem rein und schauen uns um. Auf Rückfrage erfahren wir, dass das Oktoberfest außerhalb auf einer Festwiese stattfindet und dass mit 3.000 Besuchern gerechnet wird. Also auf zur Festwiese! Hier werden wir beim Einweisen auf den Parkplatz gleich gefragt, ob wir übernachten wollen … Was für ein Angebot. Somit fahren wir auf die Campingwiese, kostenlos. Inzwischen rollt auch schon ganze Autoschlangen an.

Wir machen uns auf den Weg, um „die Deutschen“ zu treffen. Als wir gerade auf dem Festplatz ankommen, hören wir, wie von der Bühne aus nach zwei Deutschen gesucht wird, Karola & Hans … An der Bühne treffen wir auf Arthur, der mit seiner Frau Kausar, die ursprünglich aus Bangladesh (Provinz Noahkali) kommt, bereits seit 22 Jahren in Montreal lebt. Sein Freund Edwin aus Aschaffenburg ist gerade zu Besuch, fliegt aber morgen schon wieder zurück. Wir verbringen einen vergnüglichen Abend, an dem reichlich Bier fließt. Die drei machen sich leider schon früh auf den Heimweg nach Montreal. Schade.

Es ist mal wieder an der Zeit, einen Haushaltstag einzulegen. Das heißt, dass wir Diesel und Wasser tanken, einkaufen gehen und waschen wollen. In Montebello finden wir einen Laundromat. Während ich wasche und trockne, macht Hans sich auf den Weg, um Wasser zu tanken. Gleich nebenan an der Marina wird er fündig. Hans hat gleich mal Kontakt mit dem Verwalter aufgenommen. Als er mich vom Laundromat abholt, meint er, dass wir dort stehen können. Das hört sich doch gut an.

Am Abend machen wir noch einen Spaziergang durch den Ort, der einen sehr netten Eindruck macht. Allerdings schließen alle Restaurants und Bistros schon um 20:00 Uhr oder 21:00 Uhr. So entfällt auch der Guten-Abend-Cappuccino.

Um uns vom Haushaltstag zu erholen, legen wir noch einen weiteren Standtag ein. Wir machen einen Spaziergang zum Manor Papineau (kostenlos mit unserem Kanada-Pass, sonst 7,80 Can$ pro Person). Hierbei handelt es sich um ein Herrenhaus von 1850, das ein damaliger Politiker erbaut hat. Wir Zwei allein bekommen eine sehr private und außergewöhnlich interessante Führung, die uns auch in den eigentlich nicht zugänglichen 1. Stock sowie auf den Speicher führt.
Fotos bei den Franzmännern natürlich wieder nicht erlaubt …

In dem 3-stöckigen Turm bewahrte Herr Papineau seine 3.800 Bücher auf. Von seinem Arbeitszimmer aus gab es einen Zugang in den Bücherturm. Schon damals dachte er an feuerfeste Stahltüren. Einige alte Schätze zählten zu seinem Besitz. Heute sind die Bücher in den Uni-Bibliotheken von Montreal und Quebec.

Danach schauen wir uns das weltweit größte Blockhaus-Hotel (1930 erbaut) mit 230 Zimmern an, innen und außen rein aus Baumstämmen. Die Hotellobby beinhaltet in der Mitte vom Erdgeschoss über drei Etagen bis zum Dach einen riesigen Kamin, der von der Lobby aus kreisförmig durch mehrere Feuerstellen beheizt werden kann und somit wie ein riiiesiger Kachelofen ist. Wir sind echt beeindruckt. Zu dem Anwesen gehören Sportmöglichkeiten jeder erdenklichen Art. Von Pool, Tennis, Fußball, Walkingtrails, Pferdeställe,bis hin zu Landrover Offroadausflügen.
Hier fand 1981 auch der G7 Gipfel mit Helmut Schmidt statt.

Als nächste City besuchen wir Ottawa, Kanadas Hauptstadt. Die Stellplatzsuche dort entpuppt sich als kompliziert. Weder auf der Insel im Ottawa-River können wir stehen noch am Kriegsmuseum, wie es andere Reisende vor 2 Jahren noch getan haben.

Doch es kommt anders … mitten im Großstadtgewusel entdeckt uns eine Lady, kann aber nicht stoppen und schickt uns deshalb eine Mail …. die Homepage seitlich am Auto konnte sie notieren.
Einladung mit Stellplatz in der Hofeinfahrt, 2 km vom Parlament entfernt…. Volltreffer!!!

Chantal und Dave nehmen uns am nächsten Tag mit in die Innenstadt. Zunächst bekommen wir aber noch eine Stadtrundfahrt. Wir steigen bei 22 Grad und strahlendem Sonnenschein aus.

Der erste Weg führt uns zum Parlament. Hier gibt es kostenlose geführte Touren. Das Gebäude ist schon sehr beeindruckend. Wir fahren auf den 90m hohen Aussichtsturm und haben von dort eine herrliche Aussicht auf Ottawa bei strahlendem Sonnenschein.

Parlaments-Bibliothek

Später spazieren wir an den 8 Schleusen aus 1832 am Ottawa River vorbei

und zur Notre Dame-Basilika. Diese ist uns allerdings zu überladen und der Marmor ist nur Attrappe… (PAPPE!!!)

Wir spazieren an den Ottawa-Falls vorbei

bis zum Rideau Museum. Der Park leuchtet in den schönsten Herbstfarben.

Den nächsten Tag verbummeln wir, denn die Museen sind donnerstags ab 16:00 Uhr kostenlos.

Wir entscheiden uns für das Technology and Science Museum. Auf dem Parkplatz sehen wir den ersten kanadischen Camper-Truck auf Frightliner Basis … geht doch.

Danach versucht Hans sich im Hamsterrad und macht Strom, dass es nur so blitzt.

Uns zieht es noch einmal zum Parliament Hill und um die ganze Anlage herum. Nach einem gemütlichen „in der Sonne Sitz Cappucino“ nehmen wir den Bus zurück.

Spinnen-Sklulptur vor dem Kunstmuseum

Skulpturen zur Frauenbewegung

Vorbereitung auf Halloween

Am Abend sitzen wir mit Chantal, ihrer Mutter, die zu den „First Nation“-Einwohnern gehört, und Dave gemütlich bei einem Bier in Wombi und erzählen bis spät in die Nacht. Ein interessanter Abend mit vielen Infos.

Und somit haben wir die erste „echte“ Kanadierin kennen gelernt.

Als wir uns am nächsten Tag verabschieden, werden wir gleich für den morgigen Abend auf die Farm von Daves Mutter eingeladen, die direkt auf unserem Weg liegt.

Doch vorher wollen wir zum Dieffenbunker, den der Premier Dieffenbanker 1961 im Kalten Krieg für den Fall eines Nuclearangriffes in Auftrag gegeben hat. Dieser liegt etwa 30 km von Ottawa entfernt in Carp und wurde 1994 als Museum für die Bevölkerung frei gegeben. Der Bunker war für 530 Personen für 30 Tage geplant. 120 Mitarbeiter waren ständig dort, Mechaniker, Techniker, Koch …Für die Angehörigen der ausgewählten Personen war kein Platz vorgesehen. Um diese musste sich jeder selbst kümmern, wurde später im Parlament beschlossen. Aus diesem Grund hat Dieffenbanker beschlossen, diesen Bunker selbst niemals zu nutzen, wenn er seine Frau nicht mitnehmen könne. Er hat den Bunker nach Fertigstellung auch niemals besucht.
Sehr interessant im Internet nachzulesen.

Der Unscheinbare Eingang zu einem 10.000 qm Bunker.

Der Bunker war für 30 Tage bestückt. Man ist davon ausgegangen, dass nach 30 Tagen die Strahlung soweit nachlässt, dass die Insassen zumindest per Bus abtransportiert werden können bzw. dass nach dieser Zeit alle Atomwaffen weltweit aufgebraucht sind.

Modell der Hiroshima Bombe

Wir machen die Führung (kostenlos) und können uns danach noch so lang wir wollen allein umschauen. Die Einrichtung ist die erste aus den 60er Jahren. Aufgerüstet wurde angeblich nur wenig bzw. selten, da zu teuer! Auf unsere Frage, warum der Bunker 1994 aufgegeben wurde, haben wir keine ausreichende Antwort erhalten. Bestimmt gibt es inzwischen etwas Besseres. Und so kann man evtl. die Bevölkerung davon überzeugen, dass so ein Bunker heute nicht mehr gebraucht wird.

Endlos langer Eingangstunnel (Blasttunnel), hinten offen, der in der Mitte um 90° abzweigt

5,5 to. schwere Stahltüren in Dreierreihe hintereinander

Bunkerflure (links in der Wand sind die Stützpfeiler des Gebäudes sichtbar)

OP-Saal

Kommunikation

Schlechte Nachrichten am roten Telefon …

Tresortüre zum Tresorraum der Bank of Canada im 4. Untergeschoss

Durchreiche zum Tresorraum für „Kleinbeträge“ …

Karten mit den möglichen Strahlenbelastungen verschiedener Städte nach einem Einschlag

Sitzungsräume für die Obersten

Interessant ist, dass ein Reporter schon 1961 beim Bau des Bunkers skeptisch wurde und nachgeforscht hat. Bei einem Helikopterflug über das Gelände hat er 80 zum Einbau bereitgestellte Sanitärteile wie Toiletten etc dort gesehen und sich gefragt, warum diese Menge für nur 120 Mitarbeiter gebraucht würde …

Daten vom Bunker:

24.500m³ Beton
5000 to. verstärkender Stahl
100 pounds per square inch (6,9 bar) sollte die Kiste aushalten
Kosten 1958 ca. 50.000.000 $ (Dollarkurs 1958 beachten !!!)

In Iroquois übernachten wir direkt an der Schleuse. Wir sehen, wie riiiesige Frachter hier über den St.-Lawrence-River geschleust werden.

Als wir am nächsten Morgen auf den 1000-Island-Highway gehen, haben wir herrlichstes Herbstwetter. Auf den nächsten 100 km sind ca. 1.700 Inselchen, z. T. gerade so groß, dass ein Haus darauf passt, manchmal nicht größer als ein Felsbrocken. Wir sehen die herrlichsten Villen. Eine tolle Strecke!

Weiter geht es nach Prince Edward County zur Farm von Daves Mutter.

Auf der Weiterfahrt zum Sanddunes Provincial Park wählen wir wieder den Weg durch ein First Nation Reservat (Mohawk) und entdecken eine Diesel-Tanke, für 0,99 Can$ pro Liter. Das ist 0,25 Can$ günstiger als die anderen Tanken, da die First-Nation-Einwohner keine Steuern zahlen müssen. Hans kontaktet den Indianer, sagt Ihm, wir kennen den Direktor der First Nation, waren auch schon bei den „Anderen“ in Labrador oben, in New Brunswick und bei den Micmac …. er solle jetzt kein großes PowWow machen … und bunkert Diesel, nimmt gleich noch eine Stange Zigaretten für 10 Can$ mit und ist glücklich.

Hinter Picton, direkt am Lake Ontario, finden wir ein Plätzchen für die Nacht.

Wir verbringen hier einen ruhigen Standtag, zumal wir vom Yachthafen sogar WIFI haben. Am Abend kochen wir noch lecker unsere letzten Scallops mit Pasta.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Kitchener. Dort ist das größte Oktoberfest außerhalb Deutschlands. Also nix wie hin.

Der Weg führt uns an Toronto vorbei …

Wombi in Toronto … parken in 1. Reihe …legal …illegal …

Gar nicht so einfach, 450 m Höhe von der gegenüberliegenden Straßenseite draufzukriegen ….

Auf dem Highway sehen wir schon die Hinweisschilder zum Oktoberfest. In Kitchener selbst tauchen kleine, kaum wahrnehmbare Schildchen auf „Oktoberfest-Information“. Wir folgen den Schildern und sind mitten in der City, wo wir in einer Seitenstraße ein kleines Zelt und drei Buden sehen. Nix los. Die Schilder führen uns wieder hinaus aus der City … bis plötzlich keine mehr auftauchen. Also umdrehen und noch mal von der anderen Seite anfahren. Die Schilder tauchen wieder auf und mitten in der City sehe ich plötzlich das Info-Zelt. Hans lässt mich aussteigen und kann kurz gegenüber parken. Das Zelt ist natürlich schon geschlossen, doch daneben gibt es ein ganzes „Oktoberfest-Haus“, das im Hinterzimmer eine Info eingerichtet hat. Auf meine Frage, dass wir nun seit 1 Stunde das Oktoberfest suchen bekomme ich zur Antwort, dass dies in der ganzen Stadt sei. Wieder frage ich „WO?“ Es ist in ca 20 Häuschen/Zelten verteilt. Für jedes kann man Eintrittskarten zum Preis von 10 – 30 Can$ erwerben, je nachdem, wohin man möchte.
Und am Wochenende ist Miss Oktoberfest Wahl …. Eintritt 300 Can$ pro Paar!!! Und einen Stellplatz für Wohnmobile … gibt es nicht … sie weiß nicht, wo die parken.
Nix für uns und nix wie weg.

Wir fahren in den kleinen Mennoniten-Ort St. Jacobs in 25 km Entfernung.

Am nächsten Tag schlendern wir durch den Ort und schauen uns die kleinen Werkstätten an. Hier wird zum Teil noch alte Handwerkskunst vorgestellt, wie z.B. das Besen binden.

Ein altes Antiquitätengeschäft weckt unser besonderes Interesse und wir fühlen uns in Kindheitstage zurück versetzt. Hier stöbern wir eine ganze Weile.

Alles rüstet auch hier für Halloween …

Dann natürlich noch ins Mennoniten-Museum. Hier gibt es sehr interessante Infos, dass sich die Mennoniten bereits 1530 abgespalten hatten, da sie gegen die Kindstaufe, Krieg etc. waren. Die Taufe z.B. sollte erst stattfinden, wenn die Kinder selbst entscheiden können, ob sie dem Glauben angehören wollen. Das war den Katholiken zu radikal und so hat man die Mennoniten verfolgt. Später sind sie dann nach Kanada ausgewandert. Heute gibt es viele Splittergruppen, die sich z. T. dem heutigen Leben anpassen. „Die Old Order Mennoniten“ jedoch leben weiter nach ihren Regeln zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Dann gibt es noch ein kleines Eisenbahnmuseum, ein Museum für Maple Syrup und und und. So geht der Tag dahin.

Die Kirche der Mennoniten ist nur ein sehr einfaches Gebäude ohne jeglichen Prunk. Vor der Kirche sind Halterungen angebracht, an der die Pferde festgebunden werden, da die Mennoniten am Sonntag auch heute noch in ihren schwarzen Pferdekutschen kommen. Wir haben sogar das Glück, eine im Ort zu sehen, leider nur geparkt. Eine weitere mit Familie sehen wir an uns vorbeifahren, sind allerdings zu langsam mit dem Fotoapparat.

Den riiiesigen Farmersmarkt incl. Tiermarkt hätten wir uns gern noch angeschaut, allerdings beginnt es zu regnen.

Unser Weg führt uns weiter nach Missisauga, einem Vorort von Toronto, wo wir eine Kontaktadresse von Forumsfreunden haben.

Als wir dort am Nachmittag eintrudeln und vorsichtig klingeln, werden wir mit den Worten „Wir haben euch bereits gestern erwartet“ begrüßt. So sind wir gleich herzlich aufgenommen und eingeladen, die nächsten Tage hier zu verbringen und das Gästezimmer zu beziehen.
Nur ungern trennen wir uns nach fast 6 Monaten zum ersten Mal von unserem eigenen Bett.
Wie ungewohnt!

Adi ist 80 Jahre alt und kam bereits 1952 nach Kanada, zunächst nach Timmins im nördlichen Ontario zu seiner Schwester, wo er in einer Mine arbeitete. Später ging er dann nach Toronto. Ulla (73) kam mit ihren Eltern 1956 nach Toronto.

Wir verbringen ein paar sehr nette Tage bei den Beiden. Vielen Dank für die 5***** Unterkunft !!!!!

Am nächsten Tag bekommen wir eine Stadtführung durch Missisauga, bevor wir zu Tochter Linda und ihrem Mann Danny fahren.

Vorbereitung auf Halloween

Und dann kommt, was kommen muss … Ich muss zum Zahnarzt!
Die Praxis ist in einem Seitenraum im WalMart-Supermarkt untergebracht. Nach einer Stunde Wartezeit komme ich auch schon dran. Es gibt nur Trennwände, keine Türen. Während ich in ein Kabuff geführt werde, kann ich in die anderen hineinschauen, wie die Patienten behandelt werden. Ungewohnt. Die Praxis ist sehr international. Die Ärzte und Helferinnen scheinen von überall her zu kommen, asiatische, afrikanische etc. Abstammung.
Ich gerate an einen jungen asiatischen Arzt, der sehr nett ist. Erst mal ein Röntgenbild, dann eine Spritze und schon geht es los … schnell ist das Loch gefüllt und ich kann wieder gehen. Er trägt noch die Arbeitsnummern auf den Laufzettel, dieser geht gleich an die Rezeption und wird in meine Rechnung umgewandelt. 204 Can$. Puh, geschafft.

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg Richtung Downtown Toronto. Vor etwa 3 Monaten haben wir im Norden Neufundlands Jörg aus Norddeutschland kennen gelernt, der mit seiner Freundin Diane unterwegs war. Wir hatten die beiden nach einer Wanderung mit zurück zum Parkplatz Ihres Autos genommen. Kurz darauf hatten wir eine mail erhalten: “Wenn wir mal in der Nähe von Toronto seien, sollten wir uns doch melden und vorbeikommen“. Vor einigen Tagen haben wir nun Kontakt aufgenommen und uns für heute Nachmittag verabredet. Wir sind zum Kaffee und Abendessen eingeladen und verbringen einen netten Tag. Jörg hat ein recht großes Haus in Innenstadtnähe an einem Park. Wir können direkt davor parken. Jörg hat in Deutschland Koch gelernt, dann in Davos, Vancouver etc gearbeitet. Im Moment ist er retired und alles ist wieder offen. ´
Seine Freundin Diane hat 1996 in Atlanta bei den olympischen Spielen eine Bronzemedaille im Rudern gewonnen. Ein interessantes Paar! Wir hoffen, dass wir uns irgendwann irgendwo einmal wieder treffen.

Am Abend fahren wir zurück zu Ulla und Adi und beziehen nochmals unser Zimmerchen.

Dann zieht es uns zu Linda und Danny. Auch hier lassen wir es uns noch einige Tage gut gehen.
DANKE!

Einen Tag fahren wir mit dem Zug noch mal nach Toronto hinein. Das Wetter ist sehr unbeständig, Wolken, Sonne, Regen, 8 Grad. Aber nach 5 Tagen herumsitzen und essen haben wir wieder einen Ausflug nötig. Wir laufen noch einmal um den CN-Tower herum und machen ein paar Fotos. Für 35 Can$ pro Nase fahren wir nicht hinauf. Wir haben weitaus höhere Türme in Shanghai gesehen, auch mit Glasboden. So bummeln wir einfach nur herum und schauen uns noch das Museum bei CBC TV an. Hier gibt es Infos über die „Geräuschemacher“ und die Geschichten der ersten Fernsehsendungen. Das ist wirklich sehr interessant.

Und dann machen wir noch ein Schnäppchen an Uncle Joes Chipwagon (direkt gegenüber CBC-Station), wo wir für 4,50 Can$ einige riiiesiege Portion homemade fries bekommen incl. eines ebenso großen Hotdogs. Danach noch einen Kaffee bei Tim Hortons und wir machen uns langsam wieder auf den Rückweg zur Bahn.

Wir machen uns auf den Weg Richtung Niagara-on-the-Lake. Obwohl es Freitag Nachmittag ist, kommen wir recht gut durch. Unseren Nachtplatz finden wir zwischen Hamilton und St. Catherine in Grimby in einem kleinen Park.

Nächster Stop ist der Welland Kanal. Dort bleiben wir in St. Catharines an Lock 3 stehen. Insgesamt sind 7 Schleusen hintereinander, die die Schiffe auf 99 Metern anheben und somit die großen Seen mit dem St. Lawrence Strom miteinander verbinden.

Heute allerdings ist in jeder Schleuse ein riiiesiger Frachter geparkt und nichts geht vorwärts. Wir bleiben hier stehen und warten ab, wann was passiert und fragen uns, warum gerade gar nix vorwärts geht. Hans spricht ein Besatzungsmitglied an, aber der versteht kein englisch …ist ja klar …
Stunden später geht’s plötzlich weiter.

Wir verbringen noch zwei ganze Tage an den Schleusen, schauen den Schiffen zu und besuchen das Museum.

Hubbrücken (die Strasse fährt komplett fast 40 m hoch)
Klappbrücken (die Strasse wird hochgeklappt) mal einschenkelig mal doppelschenkelig
Schwenkbrücken (die Strasse schwenkt einfach seitlich weg)

Am nächsten Tag geht es bei traumhaftem Sonnenschein und kalten 5 Grad nach Niagara Falls.

Wir schlendern an den Falls entlang und genießen den Ausblick.

Dann machen wir einen Abstecher zum Skylon-Tower.

Wir fahren hoch und genießen die Aussicht in alle Richtungen. Sogar bis Toronto können wir heute sehen und den CN-Tower erkennen.

Da es inzwischen schon 17:00 Uhr ist entscheiden wir, hier bis zum Einbruch der Dunkelheit herum zu trödeln und auf die Beleuchtung der Falls zu warten.

Zwischendurch noch einen Kaffee an der Bar im Drehrestaurant trinken, die natürlich so im Hintergrund angebracht ist, dass wir nicht die Falls sehen. Wir warten weiter. Um 19:00 Uhr werden die Falls endlich in weiß angestrahlt. Wie langweilig…

Wir warten weiter und nach einer weiteren Stunde sind sie auch kitschig bunt. Wir machen noch ein paar Fotos, sind aber insgesamt enttäuscht. Wir hatten mehr erwartet.

Nach 20 Minuten Spaziergang durch die Vergnügungsmeile Niagaras, die einem kleinen Las Vegas ähnelt, sind wir durchgefroren wieder in Wombi.

Aufgrund des Wetters wird es Zeit, wie die snowbirds Richtung Süden zu ziehen. Nach 180 Tagen in Kanada bereiten wir uns auf den morgigen Grenzübertritt in die USA vor.
Wir haben den Wecker auf 6:00 Uhr gestellt, damit wir früh an der Grenze sind. Schnell frühstücken, alles wegräumen, die letzten fischen Lebensmittelreste (Wurst, Obst- und Gemüse, Milchprodukte …) aufessen und schon um 9:00 Uhr sind wir an der Grenze.

Wir fahren als einziges Fahrzeug in die RV-Line, geben unsere Pässe ab und beantworten ein paar Fragen, woher wir kommen, was wir gearbeitet haben, wie wir uns finanzieren, wohin wir wollen (zu Onkel und Tante nach Missouri) … Dann sollen wir rechts ran fahren und in das Gebäude nebenan gehen. Dort werden wir noch einmal kurz befragt, geben erneut unsere Fingerabdrücke ab und werden noch fotografiert, bevor wir unsere Pässe mit der erwarteten 6-Monaten Einreisegenehmigung bekommen. Noch 6 US$ pro Person zahlen und schon können wir gehen. Wir können es kaum glauben, nach 15 Minuten ist alles erledigt. Hat sich der Aufwand für das 10-Jahres-Visum also doch gelohnt. Für Wombi interessiert sich niemand, es gibt keine Inspektion.

Wir sind in den USA!!!… und das Weißbier auch.

Allgemeine Infos
Aktueller Wechselkurs: 1 € = 1,40 Can$

Diesel =1,26 Can$/L
Diesel im First Nation Reservat = 0.99 Can$/L

Montreal 3-Tages-Bus- und Metro-Ticket: 18 Can$ pro Person

Montreal Aufzug zum Olympiaturm: 22,50 Can$ pro Person

Wallfahrtskirche St. Joseph am Mont Real: 5 Can$ Parkgebühr, Kirche frei

Stellplatz in Montreal: lt. Touri-Info fast unmöglich. Evtl. Valet-Parking am Flughafen für 2 Parkplätze = 23 Can$ pro 24 Stunden oder auf Privatparkplätzen in der City, die auch schon mal Camper darauf lassen.
Stellplatz auf der anderen Seite des Flusses möglich, allerdings nicht mehr im Einzugsbereich des 3-Tages-Metro-Tickets. Und die Fähre fährt jetzt außerhalb der Saison auch nicht mehr.

Busticket Ottawa: 3 Can$ pro Fahrt

Parlament in Ottawa: kostenlose Führung

Museen in Ottawa: fast alle 12 Can$ pro Museum

Stellplatz in Ottawa: seeeeehr schwierig

Dieffenbunker in Carp, 30 km von Ottawa entfernt: 14 Can$ sehr interressant

Zugticket von Missisauga nach Toronto, Union Station: 7,75 Can$ pro Fahrt

Tagesticket Metro Toronto: 10,75 Can$

Parken in Niagara: $ 8,75 für 10 Stunden (24/7) in der Kitchener Street

Skylon Tower: $ 13,80 pro Person

Grenzgebühren USA: 6 US$ pro Person

Fazit zu Kanada
Die Menschen waren sehr, sehr freundlich. Von den180 Tagen waren wir nicht einen Tag auf einem Campingplatz, sondern haben bis auf 2 Nächte an einem Großparkplatz immer „in der Botanik“ übernachtet.

Nova Scotia war zum Eingewöhnen an die neue Lebenssituation sehr gut.

Neufundland und Labrador haben wir danach sehr genossen (mal abgesehen von den Mücken und Black Flies im Juli und August).

New Brunswick mit viel Farmland hat es uns erleichtert, wieder in die Metropolen Quebecs und Ontarios mit Quebec City, Montreal, Ottawa und Toronto einzutauchen.

Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde an der Landmasse gerechnet. Unterm Strich ist nur ca. ein 200 km breiter Gürtel entlang der US-Grenze Ost-West bevölkert. Der Rest des Landes ist nur sehr gering bevölkert.

Kanada hat irrsinnige Bodenschätze, schickt selbige aber zur Weiterverarbeitung in die USA, um diese danach wieder zurück zu holen. Unverständlich!!!

Das Preisniveau für Lebensmittel ist verglichen mit Deutschland extrem hoch, insbesondere für Obst, Gemüse und Milchprodukte. Besonders extrem ist dies in Neufundland und Labrador.

Ein Gedanke zu „30.9. – 30.10.2013 – Quebec (Teil III) und Ontario – 2.006 km

  1. Icelandbus 1.1

    Toll!
    Viele schöne Bilder! Aber am meisten mag ich die mit der schönen Laubfärbung! Ich liebe den Herbst. Kann ich das Bild haben, das unterhalb vom Fahnenträger ist. 😉

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