16.8. – 4.9.2013 – Quebec (Teil I) und New Brunswick – 2.590 km

Abends kommen wir in Fermont (Provinz Quebec) an. Wir bleiben gleich am Ortsrand am großen Kipper stehen.

Am nächsten Morgen fahren wir zur Wall. Dies ist ein 1,3 km langes Gebäude, das als Windbrecher mitten durch den Ort gebaut wurde. Darin ist auch das Info-Center untergebracht. Hier in Quebec, der einzigen Provinz Kanadas mit Französisch als Amtssprache, ist alles anders. Wir sollen schon für die Straßenkarte zahlen. Da planen wir eben um und nehmen nicht die eine Straßenkarte, sondern ein ganzes Sammelsurium an Prospekten, in denen Teile der Karte Quebecs abgebildet sind.

Als ich wieder herauskomme, sehe ich Hans mit dem Luftschlauch hantieren. Der linke Hinterreifen hat reichlich Luft verloren. Hans füllt Luft auf und ich darf langsam eine Reifenlänge vorfahren, während Hans immer wieder schaut, ob er den Übeltäter im Reifen findet. NICHTS. Seltsam. Wir beobachten das erst mal und prüfen regelmäßig den Luftdruck. Doch er bleibt stabil. Hans meint, dass uns jemand in der Nacht Luft abgelassen hat. Nach 3 Monaten in Neufundland und Labrador sind wir also wieder in der Zivilisation angekommen! Und ich habe morgens noch 2 Typen neben Wombi stehen sehen, die sich ständig umgeschaut und gekichert haben. Allerdings sind sie, als sie mir auffielen, nicht direkt am LKW gewesen und so habe ich dem auch keine weitere Bedeutung geschenkt.

Der ganze Ort Fermont gehört zur Mine. Sollte diese irgendwann geschlossen werden, so wird der Ort komplett aufgelöst und zurückgebaut.

Wir würden gerne die Mine besichtigen, sind aber 2 Tage zu spät. Am Mittwoch war die letzte Führung für diesen Sommer. Mist! Aber wir wollten ja unbedingt das unterirdische Wasserkraftwerk in Churchill Falls sehen … Wer hätte auch gedacht, dass tatsächlich am 14.8. Schluss ist und die Besichtigungen nicht wenigstens bis zum Wochenende durchgeführt werden…

Also gehen wir jetzt auf die Piste. Wir haben 1.200 km in 4 Tagen zu schaffen, da wir Niels mit Familie in Saint Johns (New Brunswick) treffen wollen. Immerhin habe ich eine recht gute Infobroschüre gefunden, die die einzelnen Streckenabschnitte der nächsten 570 km bis nach Baie Comeau beschreibt. Etwa alle 50 km gibt es sogar ein Notruf-Telefon.

Die Straße ist zunächst 20 km asphaltiert und in gutem Zustand, dann folgen 67 km gravel road, die ebenfalls recht gut sind. Auf diesem Abschnitt kreuzen wir einige Male die Bahnschienen. Zwei Mal sehen wir einen Zug vorbeirauschen und zählen bis zu 130 Waggons. Während wir den Zug filmen, sehen wir, wie der Lokführer uns fotografiert.

Dann kommen wieder 164 km Asphalt, sehr gut zu befahren.

Doch bereits nach ca. 20 km gravel der Schreck … ein Lastzug liegt umgekippt quer auf der Fahrbahn. Bisher sind nur 2 weitere LKW vor Ort. Zum Glück ist der Fahrer fast unverletzt, bereits ausgestiegen und sucht seine Sachen zusammen. Die Polizei und Ambulance wurden bereits per Satellitentelefon angefordert. Das ist der erste Unfall, den wir in fast 4 Monaten sehen.

Der LKW-Fahrer vor uns hat den Unfall direkt mit angesehen. Dem Unfall-LKW kam ein anderer LKW aus einer S-Kurve heraus mitten auf der Straße entgegen und er musste ausweichen. Dabei ist der Trailer über den Seitenstreifen gekippt und hat die Zugmaschine mitgerissen.

Allerdings ist der Unfallverursacher einfach weiter gefahren. Es sei ein roter LKW gewesen, der direkt vor ihm gewesen sei, sagte der LKW Fahrer vor uns aus. Dieser LKW hat uns eine Stunde vorher auch schon wie verrückt und mit einer riesigen Staubwolke überholt. Und da wir mal wieder alles dank GoPro fotografiert haben, haben wir auch ein Foto von besagtem LKW.

Als die Polizei kommt, informieren wir sie, dass wir ein Foto des angeblichen Unfallverursachers haben. Allerdings hätten wir es eilig, weil wir in 2 Tagen zur Fähre müssten…Wenn da erstmal ein Kran aufgebaut wird, ist der Weg für Stunden dicht. Daraufhin gibt uns einer der Polizeibeamten sein Kärtchen und sagt, wir sollen im doch die Fotos mailen, sobald wir in 2 Tagen wieder in der „Zivilisation“ sind. Weiter interessiert er sich nicht dafür, nimmt auch keine Personalien von uns auf. Merkwürdig. Als wolle man den Unfallverursacher gar nicht finden. Da es nur diese eine Straße für die nächsten 450 km gibt, die kaum befahren ist, müsste er doch problemlos zu ermitteln sein …

Auf unserem weiteren Weg kommen wir an der ancienne ville de Gagnon vorbei. Dieser Ort erscheint sogar noch auf dem GPS mit einzelnen Straßen. Wie der Name schon sagt, gibt es diesen „alten“ Ort gar nicht mehr. Alles was wir auf dem GPS sehen, ist mit Büschen überwuchert. Es gibt weder die Wege noch die alten Häuser, aber die Gehsteige am Straßenrand sind noch da…. Später erfahren wir, dass in diesem Ort eine Mine war, der Ort zur Mine gehörte und nachdem die Mine geschlossen wurde, wurde der Ort vor 30 Jahren wieder zurückgebaut.

Die letzten 101 km gravel road ziehen sich dann anstrengend und mühsam dahin. Wir sind müde, es geht steil bergauf, genauso steil bergab und es beginnt zu regnen …also ist der Weg teils wie Schmierseife. Ein riesiger LKW mit oversize Ladung jagt hinter uns her. Nur bergauf können wir ihn ein wenig abhängen … bergab und auf den Geraden fährt er wie ein Henker.

In Manic Cinq bleiben wir stehen…. der LKW hinter uns auch. Hier ist ein Infocenter von Hydro Quebec … mitten im Nichts. Direkt mit uns kommt aus der anderen Richtung ein Ehepaar mit Trailer aus Quebec an. Sie erzählen uns, dass sie morgen hier eine Tour machen. Eine Tour? Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen. Da werden wir morgen früh gleich auf der Matte stehen.

Kurz vor dem Einschlafen schaue ich noch mal auf mein Kindle und stelle fest, dass es eine Stunde früher ist als angenommen. In Quebec haben wir 6 Stunden Zeitverschiebung. Wer blickt da auch noch durch, wenn man sich so wie wir zwischen den Provinzgrenzen bewegt … somit können wir morgen früh eine Stunde länger schlafen.

Um 9:30 Uhr können wir gleich an der Führung durch den Staudamm teilnehmen. Da wir ja in Quebec sind, geht alles nur noch auf Französisch. Hans und ich bekommen eine eigene Einführung in Englisch und erfahren, dass hier 1.500 Megawatt Strom produziert werden, also nur gut ¼ von Churchill Falls.

Wir fahren mit dem Franzosengruppe im Bus zum Staudamm und können direkt zwischen Staumauer und Außenwand hindurchgehen. Ich will gar nicht wissen, welche Wassermassen da neben mir sind … die Ausmaße sind schon beeindruckend. … Fotos sind natürlich verboten … Wir sind ja in Frankreich angekommen …

Das Wasser kommt von einem ringförmigen Meteoritenkrater (Durchmesser 84 km). Der Meteorit ist vor x Millionen Jahren hier eingeschlagen und der Krater dann ringförmig vollgelaufen. Auf der Karte schaut das sehr beeindruckend aus.

Bevor wir die letzten 200 km in Angriff nehmen, entledigen wir uns noch des Steinschlag-Schutzes. Wir haben endlich wieder freie Sicht und fühlen uns nicht mehr wie im Käfig eingesperrt.

Dieser letzte Streckenabschnitt (Asphalt) soll besonders schlecht sein, viele Löcher, steil, kurvig, eng … wir erwarten das Schlimmste. Da Hans noch immer den Luftdruck reduziert hat, merken wir davon nicht allzu viel. Die Straße ist zwar nicht toll, aber auch kein großes Problem. Teilweise ist die Strecke sogar ganz annehmbar mit neuen Abschnitten. So rollen wir mit 50 km/h dahin und sind pünktlich zur nächsten Führung in Manic Deux. Hier gibt es ebenfalls eine große Staumauer zu sehen und die Führung geht direkt zu den Turbinen, die man in Arbeit sehen kann. Zur Einführung gibt es eine recht interessante Videopräsentation. Zwar nur auf Französisch, aber mit den Fotos für uns i. O. Da wir den Rest schon in St. Albans, Churchill Falls und heute früh in Manic Cinq gesehen haben, nehmen wir an der Führung nicht mehr teil.

Inzwischen ist es schon später Nachmittag und wir wollen noch die 20:00 Uhr Fähre über den St. Lorenz Strom erreichen. Wir haben keine Reservierung, stehen aber auf Position 1 der Warteliste. Vielleicht fällt ja jemand aus …Ansonsten müssten wir morgen bis 14:00 Uhr warten.

Und wir haben Glück. Ein 9-achsiger-Truck ist nicht gekommen. So können wir problemlos auf die Fähre. Willkommen in der Zivilisation. Für die 2,5stündige Überfahrt zahlen wir 107 Can$.

Müde kommen wir um 22:30 Uhr in Matane an und fahren direkt den Golfplatz an…. Hans hat keinen Bock mehr. Wir bleiben auf dem Parkplatz direkt am Green stehen. Wir liegen noch nicht mal im Bett, da kommt auch schon ein Polizeiwagen. Ich will gerade hinausgehen und meine Geschichte erzählen, dass es Hans auf der Fähre gar nicht gut ging und er so nicht weiterfahren kann … Doch dazu komme ich gar nicht. Die Polizisten haben uns nur einmal rundherum ausgeleuchtet und verschwinden schon wieder. So haben wir eine ruhige Nacht.

Am Abend habe ich noch zu Hans gesagt, dass die Golfer bestimmt nicht vor 9:00 Uhr kommen, doch Irrtum. Um 6:30 Uhr hören wir das erste Fahrzeug über den Kies schratteln. Um 9:00 Uhr sind schon 10 Fahrzeuge da.

Wir machen uns auf den Weg. Nach 3 Monaten Neufundland und Labrador hat uns die Zivilisation wieder. Hier ist richtig was los auf der Straße, Massen von Motorrädern und Trailern. Auf der Strecke sehen wir die ersten Bauernhöfe in Kanada und reichlich Kartoffelfelder. Sogar Sonnenblumen … Ich vermute, dass aufgrund dessen Obst und Gemüse in Quebec günstiger sind. Und das Brot ist hier im französischen Bereich bestimmt auch besser. So steuern wir den nächsten Supermarkt an. Und Volltreffer! In den nächsten Tagen bekommen wir sicherlich einen Vitaminschock, so voll sind unsere Obst- und Gemüsefächer. Hoffentlich hält Hans das aus …

Dann noch tanken. Man hat uns gesagt, dass Tanken in New Brunswick 0,07 Can$ günstiger ist als in Quebec. Mit der letzten Reserve erreichen wir die erste Tankstelle in New Brunswick und haben mit 1,34 Can$ pro Liter wieder erträgliche Preise.

Also auf gen Süden. In St. Quentin (Ahornsirup-Hauptstadt) machen wir einen Stopp bei der Touri-Info, die in einem alten Bahnhof untergebracht ist. Hier bekommen wir von einer jungen Frau super Tipps. U.a. erwähnt sie, dass in 14 Tagen in Bertrand Oktoberfest ist … das wäre doch mal ne Abwechslung!

Während wir noch plaudern kommt ein älteres Ehepaar herein. Er war schon 1968 in North West River in Labrador (wo wir letztens erst 5 Tage bei Ruben, dem Sozialarbeiter der Innuit verbracht haben). Er hat dort Tierbeobachtungen gemacht … Er gibt uns auch noch einige Infos über Alaska, lässt sich unsere email geben und will uns einen seiner Forschungsartikel über Tiere in Labrador zukommen lassen. Wir sind gespannt…

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen von factory visits. Florence/Bristol ist die „French Fries Capital of the world“, was bedeutet, dass hier das Headquarter von McCain-Pommes ist. Am Eingang gibt es ein Museum dazu. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und hoffen auf eine Werksführung mit Verköstigung… Jetzt wissen wir auch, warum es hier sooo viele Kartoffelfelder gibt …

Wir sind davon ausgegangen, dass das Museum zu McCain gehört … doch das ist nur ein Sammelsurium über Kartoffeln und dafür sollen wir auch noch 5 Can$ pro Person zahlen. Gestrichen! Also nix mit Pommes.

Auf dem Highway sehe ich ein Schild, dass es noch eine Kartoffelchips-Fabrik gibt, in die man hineinschauen kann. Also nehmen wir das als Alternative. Aber auch hier sollen wir 5 Can$ zahlen … um uns anzuschauen, wie Kartoffeln geschnibbelt werden … Fällt also auch aus … Und der Fabrikverkauf ist auch noch viel zu teuer … 3 Can$ pro Tüte.

Hartland. Hier schauen wir uns die weltweit längste überdachte Holzbrücke mit 1.282 ft an.
Unglaublich, was man so alles gebaut hat.

In Nackawich steht als Symbol für die Holzindustrie Kanadas, eine Axt aus 7 Tonnen purem Edelstahl. Die wäre bei unseren Schrottpreisen schon lange zerflext worden …

Man muss ja nicht immer alles was nervt anzünden …

In Harvey findet man Kanadas älteste Woll-Spinnerei. Wenn die Wolle nur nicht so kratzen würde …die Preise sind wirklich unschlagbar, 114 g für 5,25 Can$ … leider nichts für mich, weil zu kratzig.

Und jetzt ab nach St. Stephens. Um 18:00 Uhr finden wir einen wunderschönen Platz im Ganong Nature Park. Der hat zwar nur bis Sonnenuntergang geöffnet, aber wir erklären dem Ranger, dass wir morgen Freunde aus Deutschland treffen und wir auf sie warten wollen. Kein Problem. Wir dürften sogar eine weitere Nacht zusammen stehen. Sprach´s und war verschwunden. Hier verbringen wir einen netten Tag mit Birgit, Niels und Emil bei schwülen 26 Grad.

Am nächsten Tag verabschieden sich die drei bereits am frühen Vormittag und machen sich auf den Weg nach Amerika, wo sie 3 Urlaubswochen verbringen werden. Ihren LKW bringen sie dann in Detroit unter. Wir hoffen, dass wir sie im nächsten Sommer auf dem Alaska-Highway wieder treffen.

Bei heißen 30 Grad machen wir uns auf den Weg um die Bucht rum, nach St. Andrews. Endlich Sommer.

St. Andrews ist ein netter Ort. Hier ist richtig was los. Wir beschließen sofort, ein wenig zu bummeln. Gar nicht so einfach, denn wir müssen erst mal einen Parkplatz finden. Gesagt, getan und schon schlendern wir durch den Ort. Ein typischer Ferienort. Wir essen unser erstes Eis in diesem Urlaub. Lecker! 2 Kugeln für 2,75 Can$.

Als wir zum Auto zurückkommen und gerade wieder losfahren wollen, entdecken wir einen Zettel hinter dem Scheibenwischer. Ein Knöllchen, ist unser erster Gedanke. Doch dieser entpuppt sich schnell zu einer privaten Notiz auf Deutsch, dass wir doch mal an der angegebenen Adresse vorbei schauen sollen, wenn wir Zeit und Lust haben. Allerdings erst ab 17.00 Uhr. Wir sind neugierig, vertrödeln die Zeit bis dahin am Tim Hortons um zu mailen und stehen um kurz nach 17:00 Uhr bei Lona und Helmut auf der Matte. Die beiden sind bereits seit 45 Jahren in den USA, aus beruflichen Gründen. Sie wohnen in Miami und haben hier in St. Andrews ihr Sommerhäuschen. Er war Finanz-Consultant, sie Bankerin.

Zuerst aber kommt der Nachbar. Er hat Hans und mich schon im Ort gesehen, dann hat er unser Auto am Tim Hortons gesehen und nun weiß er auch, dass wir zum Auto gehören. Seine Mutter ist Deutsche, kommt aus Bayern. Seine Großeltern hatten dort eine Altpapierfabrik, in der er regelmäßig in den Ferien gearbeitet hat. So spricht er auch noch recht gut deutsch. Mike stellt uns Lona und Helmut vor, wir werden sofort freundlich aufgenommen und sind auf eine der 3! Terrassen eingeladen. Mike kommt kurz darauf auch dazu, mit zwei Tüten gefrorenen Jakobsmuscheln für uns, die er selbst gesammelt hat. Er ist Lehrer und nebenher wissenschaftlicher Taucher.

So verbringen wir einen netten Abend… und bekommen auch noch einen guten deutschen Kartoffelsalat. Nochmal LECKER.

Wir nutzen den Tipp, zur 2 km entfernten Minister-Island zu fahren, um dort die Nacht zu verbringen. Allerdings können wir nicht auf die Insel fahren, denn diese ist nur bei Ebbe zu erreichen. Man fährt dann über den Meeresgrund auf die 800m entfernte Insel. So bleiben wir für heute Nacht auf dem Kiesplatz davor stehen.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, denn um 7:15 Uhr ist low tide. Während wir noch herumtrödeln, spricht uns mal wieder jemand an: Mike Craig. Er ist stark verbunden mit der Insel und ist dort „Mädchen für alles“. Schon seine Großeltern arbeiteten für den holländischen Gutsherrn. Dieser war der Erbauer und Ingenieur der CPR Canadian Pacific Railway. Er hat die Insel Ende des 19. Jahrhundert gekauft und dort seinen Sommersitz errichtet. Allerdings entpuppt sich das Sommerhäuschen als ein Herrenhaus mit 50 Zimmern, davon 17 Schlafzimmer, 11 Bäder und 11 Feuerstellen

Eigentlich kommt man nur auf die Insel, indem man im Ort eine geführte Tour für 15 Can$ pro Person bucht. Doch Mike blinzelt nur und nimmt uns mit rüber auf die Insel. Wir folgen Ihm über den nun trocken liegenden Meeresgrund (sonst 6 m unter Wasser) und bekommen eine Privatführung durch das komplette Herrenhaus, die enormen Stallungen, das Badehaus sowie die Windmühle und die restlichen Gebäude. Wir erfahren, dass es hier früher ca. 60 Angestellte gab.

Für den Sohn wurde zum 5. Geburtstag das Kinderzimmer mit einer Bordüre handbemalt! Und im Billardzimmer prangt ein Büffelkopf. Der Billardtisch aus Tropenholz und Marmor ist so groß, dass er nicht durch die Tür passte. So wurde „der Raum“ tatsächlich drum herum gebaut …

Zusätzlich gab es einen riiiesigen beheizten Stall (seinerzeit der größte Stall in ganz Kanada), in dem nur die besten Rassen von Pferden, Kühen, Schweinen, Schafen, Hühnern etc. gehalten wurden. Die Rohmilch wurde schon damals sofort über Leitungen ins Gebäude nebenan gepumpt und dort zu Milch, Butter und Käse verarbeitet. Um das Wasser überall hin zu pumpen hatte er noch seine eigene Windmühle. Die Angestellten wohnten im Häuschen nebenan.

Warum schaut der Stall wohl fast wie ein Bahnhof aus???

Stall und Milchkammer

Im angrenzenden Gewächshaus, das leider komplett verfällt, weil es an Geldern fehlt, begegnet uns nur noch ein Stacheltier, das wahrscheinlich noch mehr erschrocken ist als wir.

Seinerzeit war dies das größte Gewächshaus in Kanada (über 1.300 qm Fläche), in dem u. a. über 2 Pfund schwere Pfirsiche gezüchtet wurden.

Zusätzlich gibt es noch ein riesiges Badehaus mit einem „handgehauenen“ Pool in den Felsen, der ganz natürlich von der Flut gefüllt wird.

Der in den Meeresboden handgehauene Pool bei Ebbe und bei Flut, 8 feet tief.

Dann ist es eigentlich Zeit, die Insel wieder zu verlassen, bevor die Flut einsetzt. Zwischen den Tiden ist der Weg für ca. 5 Stunden zu befahren. Wir würden gern den Tag auf der Insel verbringen. Da Mike jedoch schon wieder zurück fährt, muss er uns eigentlich mitnehmen. Doch er erlaubt uns, allein auf der Insel zu bleiben. Sollte tatsächlich jemand mit dem Boot kommen, so sollen wir sagen, wir hätten den Zeitpunkt der Überfahrt verpasst. Falls er gefragt würde, so würde er sagen, er hätte uns fahren sehen, aber wahrscheinlich hätten wir die Insel dann doch noch nicht verlassen.
So fühlen wir uns einen Tag lang wie Landlord und Landlady von Minister Island.

… und plötzlich ist Strasse wech …

mal eben am Empfang vorgefahren …

Rückansicht vom Gutshaus

Um 17:00 Uhr ist die Ebbe so weit fortgeschritten, dass wir die Insel verlassen können. Da kommen uns auch schon 15 Autos entgegen, denn heute Abend gibt es noch eine geführte Tour. Wir werden tatsächlich vom guide gefragt, ob wir steckengeblieben seien. Sei aber kein Problem …

Deer Island. Die 10minütige Überfahrt ist kostenlos. Hier kann man angeblich den größten Tidal-Whirlpool sehen. Zwischen High und Low Tide soll der Strudel zustande kommen, das wäre etwa gegen 11:00 Uhr. Wir warten und warten …sehen Geier und Adler und eine Robbe. Von Whirlpool ist jedoch wenig zu erkennen. Wir warten weiter, essen zwischendurch und entscheiden um 14:30 Uhr, dass das heute wohl nichts wird mit einem richtigen Strudel …

In Saint John gibt es die Reversing Falls, da soll bei Flut das Wasser an einem kleinen Wasserfall rückwärts fließen. Da müssen wir natürlich hin! Ausgelöst wird das, indem die Flut so stark ist, dass sie den Fluss, der ins Meer läuft, wieder zurückdrängt.

So ganz können wir uns das noch nicht vorstellen, zumal wir genau bei Ebbe hier eintreffen. Wir stellen unseren Wecker auf 2:30 Uhr in der Nacht und stehen auch auf. Und tatsächlich, der Fluss fließt rückwärts …

Wir wollen uns das Schauspiel noch mal bei Tage anschauen. Flut ist um 15:00 Uhr. Während Hans Raupen beobachtet, mache ich einen Spaziergang über die Brücke. Diese wurde 1915 gebaut, nachdem bereits die ersten Versuche 1885 scheiterten, indem die Brücke zusammenbrach und 7 Todesopfer forderte. Der nächste Versuch scheiterte gleich nach 10 Metern. Danach gab es eine schöpferische Pause. 1915 beauftragte man dann den Ingenieur, der die Brücke über die Niagara-Fälle gebaut hat und schon klappte es.

Ab Mittag ist es dann soweit, der Fluss fließt tatsächlich deutlich sichtbar rückwärts, unglaublich …

vorwärts

Stillstand

rückwärts

Nächstes Ziel ist der Fundy Nationalpark. Doch hier im Nationalpark ist es recht voll, zumal wir traumhaftes Wetter haben und heute Samstag ist. Wir übernachten auf einem der Wanderparkplätze, verzichten aber auf die Wanderungen.

Wir wollen nach Hopewell Cove, um dort die Felsen im Wasser zu sehen, an die man bei Ebbe heran laufen kann. Hier geht es zu wie auf dem Jahrmarkt. Was für ein Gewusel. Und dafür sollen wir auch noch 9 Can$ pro Person zahlen. Das ist nichts für uns. Interessante Felsen werden wir im Westen sicherlich noch genug sehen.

So geht es direkt weiter nach Moncton, wo wir früh genug ankommen, um „die Welle“ zu sehen, die hier durch die Flut (18 m Tide) hereingedrückt wird. Ein beeindruckendes Schauspiel, das für 30 Minuten ca. 100 Schaulustige anlockt. Und das bei strahlendem Sonnenschein.

Wieder ein Fluss der rückwärts fließt.
So mancher Surfer kommt bis zu 30 km ins Landesinnere.

Am Parkplatz lernen wir Sally und Cliff aus Florida kennen. Die beiden sind mit einem riiiieeesigen Bus unterwegs und haben auch noch ihr Auto angehängt. Sie leben in der Nähe von Miami auf ihrem Boot.

Von ihnen erfahren wir, dass wir für einen Jahresbeitrag von 40 Can$ eine Mitgliedschaft erwerben können, wo man dann an ausgewählten Farmen und Weinbergen jeweils eine Nacht kostenlos stehen kann. Das Konzept kommt aus Frankreich und wurde hier für Kanada und USA übernommen. Das hört sich doch gut an.

Und wo finden wir hier nun einen Nachtplatz? Da fällt Hans wieder ein, dass Sally und Cliff erzählt haben, dass sie heute Abend am Magnetic Hill in einem Weinberg stehen. Also schnell google befragt und die Adresse auf Anhieb gefunden. Wir fahren dorthin und sagen, dass wir gerade die Mitgliedschaft beantragen und gern bei unseren Bekannten stehen würden. Kein Problem. So verbringen wir einen netten Abend und verabreden uns im Winter in Florida.

In Memrancook schauen wir uns das Museum mit Infos über die Vertreibung der Akadier an (im Kanada-Pass enthalten). Ganz nett, aber kein Highlight.

Am Spätnachmittag wollen wir uns mit Renate und Bruno, die wir in Neufundland kennen gelernt haben, an der Confederation Bridge, die nach PEI (Prince Edward Island) geht, treffen. Die Brücke hat beachtliche 13 km Länge und zählt somit zu den Längsten der Welt (Baukosten: 1 Mrd. Can$).

Kurz vor der Brücke finden wir am alten Fähranleger einen schönen Stellplatz, wo wir den Abend gemeinsam verbringen.

Wir bleiben zusammen stehen und legen einen Wartungstag ein. Das Wetter ist prima.

Während Renate und Bruno nachmittags noch mal zur Brücke fahren, schauen wir uns im alten Fährhafen um. Ein Zeitzeuge, der langsam verfällt.

In Shediac, der lobster city of the world begegnen wir dem weltweit größten Hummer, der 52 Tonnen wiegt, der Sockel noch mal 32 Tonnen.

Wir fahren durch den Kouchibouguac – Nationalpark. Der Infocenter ist ganz interessant gemacht und wir erfahren, dass das Dünengras bis zu 10 Meter lange Wurzeln hat! Mal eben ein Büschel ausreißen funktioniert da also nicht.

Auf dem Weg zu Kellys Beach, der wärmsten in ganz Atlantik-Kanada, sehen wir noch einen Bären am Straßenrand. Allerdings verschwindet er gleich in die Büsche, so dass auf meinem Foto nur noch ein schwarzer Fleck zu erkennen ist.

An der Beach machen wir einen kurzen Spaziergang über den Boardwalk. Diese Beach soll das wärmste Wasser in Atlantik-Kanada haben. Wirklich hübsch angelegt, allerdings haben wir nur 15 Grad und es ist ziemlich windig. Wir verzichten auf das Testbad.

Nun aber auf zum Oktoberfest nach Bertrand im Norden New Brunswicks. Das Fest findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt, immer am Labour-Day Wochenende Ende August. Bertrand ist ein kleiner Ort mit 1.200 Einwohnern. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Die Straße ist gut und die Strecke macht Spaß. Die Acadian Peninsula macht einen sehr sauberen Eindruck. Hier ist es echt schön. Allerdings zweifeln wir auf den letzten Kilometern, ob wir hier wirklich richtig sind … Die Strecke wird immer holpriger. Erst später erfahren wir, dass wir den Ort „von hinten“ erreicht haben.

Am frühen Nachmittag sind wir auch schon in Bertrand. Wir suchen erst mal den Festplatz. Die Festwiese versteckt sich direkt hinter dem Gemeindehaus.

Der Schwiegersohn des Bürgermeisters, der das Ganze organisiert, fängt uns gleich ab. Wir sagen, dass wir aus Deutschland sind und zum Oktoberfest extra unsere Route geändert haben … sofort werden wir dem Bürgermeister (Schwiegervater) und dem Präsidenten des Fests vorgestellt. Nach einer halben Stunde kennt uns fast die ganze Truppe der freiwilligen Helfer, immerhin 160 Personen.

Wir sitzen in einem der Pausen-Pavillons (das Auto ist hinter dem Festzelt geparkt), bekommen einen leckeren Shepherds Pie vorgesetzt und kurz darauf Pässe, die uns für das ganze Wochenende freien Eintritt geben (120 Can$).
DANKE!
Das wird bestimmt ein tolles Wochenende.

Der Präsident

Wir lungern noch ein wenig auf dem Platz herum und hören uns die Soundchecks an.

Der Anfang ist schon mal gar nicht schlecht …

Um 19:30 Uhr ist dann die offizielle Eröffnung des Oktoberfests. Allerdings ist das Mini-Fässchen (von hinten) schon angestochen. Der Bürgermeister bekommt das erste Bier und wir werden gleich danach bedient.

Neben mir steht tatsächlich der Dorfbraumeister … geschult in Bayern

Um 21:30 Uhr beginnt das Programm. Die Showband Body Groove aus Quebec ist der Hammer! Zwei Stunden Programm ohne Pause. Und die beiden Sängerinnen ziehen eine Show ab … unglaublich … und sind beide im 8. und 4. Monat schwanger.

Die Versorgungslage ist „nahezu perfekt“

Um 23:30 Uhr ist Bandwechsel. In der Pause erwischen wir auch den Bürgermeister, der sein Bierchen genießt.

Die Party geht bis um 2:00 Uhr in der früh weiter. Die 5 Mädels der Belles Angels erscheinen uns nach der super performance der ersten Gruppe jedoch eher unkoordiniert und alles hört sich gleich an. Die Meßlatte hängt aber auch sehr hoch. So verlassen wir gegen 1:00 Uhr die Party. Danach fallen wir mit dröhnenden Ohren nur noch ins Bett.

Am nächsten Morgen scheint Sonne! Was für ein Tag. Wir können uns kaum noch rühren, alles tut uns weh. Um 9:00 Uhr quälen wir uns mühselig aus dem Bett. Erst mal Kaffee … Bei unserem guten Morgen Rundgang schauen alle noch reichlich angeschlagen aus.

Am Nachmittag gibt es noch einen sehr guten Alleinunterhalter, der in angenehmer Lautstärke Hintergrundmusik draußen spielt. Im Zelt versucht man mit deutscher Volksmusik bayrisches Feeling zu vermitteln. Den Nachmittag nutzen wir für ein Schläfchen, bevor wir uns am Abend wieder in die Party stürzen und das Konzert der Moonlighters (die gestern Abend noch Boody Groove hießen) verfolgen, die heute Country spielen. Danach noch Les Respectable. Deren Rockmusik ist uns allerdings zuviel Gitarrengeklampfe und zu laut, so dass wir die Party wieder um 1:00 Uhr verlassen. Wir nehmen ein Mitternachtsmahl ein, bis um 2:00 Uhr die Musik aus ist und wir schlafen können.
Unglaublich, was in annähernd 200 m Entfernung im Auto alles vibrieren kann.

Der dritte Tag verläuft ähnlich. Allerdings sind heute alle viel relaxter, denn ein erfolgreiches Wochenende geht zu Ende (knapp 5000 Besucher). Alle, die vorher nur hektisch durch die Gegend liefen, sind plötzlich entspannt und haben Zeit, mit uns ein Bierchen zu trinken und zu reden. So ergeben sich noch viele nette Kontakte, die am Abend am Lagerfeuer fortgesetzt werden.

Am Montagmittag verabschieden wir uns und setzen unsere Reise fort. Wir haben das Wochenende sehr genossen!
DANKE!!!

Nächstes Ziel sind die Acadian Isles. Leider spielt das Wetter nicht mit und es wird immer trüber und windiger, so dass wir nicht mal am Leuchtturm stehen können, ohne komplett von der Gischt eingesprüht zu werden.

Am nächsten Tag schüttet es noch immer. Als ich in Bathurst vom shoppen komme, spricht uns der Chef des örtlichen Radiosenders Max 104,9 an. Die Station sei gleich nebenan. Ob wir für ein paar Fotos und ein kurzes Interview herüber kommen wollen. Er würde das gerne auf Facebook posten. Die Fotos werden gleich vor der Radiostation erledigt und das Interview entpuppt sich als 5 Minuten-Gespräch vor dem Gebäude. Wir bekommen beide noch eine Tasse geschenkt und sind auch schon wieder entlassen.

Neugierig geworden, machen wir gleich das Radio an und in dem Moment kommt auch schon die Durchsage, dass Karola & Hans aus Deutschland (aus der Nähe von Berlin (statt Bayern) auf ihrer Reise in Bathurst am Radiosender einen Halt eingelegt hätten. Kurz darauf sehen wir bei Facebook schon die ersten Einträge, dass wir in Petit Rocher gesichtet worden seien und das Wochenende in Bertrand beim Oktoberfest verbracht hätten.

So geht eine kurze, aber sehr schöne Zeit in New Brunswick zu Ende.

Reiseverlauf in Quebec (Teil I) und New Brunswick („click“ zum Vergrößern)


Allgemeine Infos

Aktueller Wechselkurs: 1 € = 1,40 Can$

Diesel in Quebec =1,41 Can$/L
Diesel in New Brunswick =1,34 Can$/L

Fähre Baie Comeau – Matane: 107 Can$

Obst- und Gemüse sind im Quebec Teil endlich mal bezahlbar, im New Brunswick Teil gleich wieder teurer.
Quebec:
1 kg Pfirsich, Bananen oder Birnen = 1,94 Can$
1 kg Tomaten = 3,73 Can$
1 kg Äpfel = 3,28 Can$
3 Gartengurken = 0,88 Can$

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