3.6. – 30.06.2013 – Neufundland Teil I – 3.248 km

Mit der Fähre geht es bei 28 Grad nach Neufundland. 8 Stunden wird die Überfahrt dauern.
Hier machen wir mit 195 Can$ ein echtes Schnäppchen und sparen 50 Can$, da der Kassierer Wombi mit nur 18 ft statt 28 ft einträgt.

Am Terminal lernen wir Margaret und Ray kennen (der Wagen hinter uns). Die beiden kommen aus Ontario und haben hier ein Haus in Old Perlican auf der Avalon-Halbinsel gekauft. Heute ziehen sie mit Sack und Pack mit ihren zwei Autos um. Ansonsten haben sie so wie wir alles verkauft und verschenkt. Allerdings haben sie ihr neues Heim hier noch gar nicht gesehen! Ihr Makler, den sie gut kennen, hat es für sie besichtigt. Ein wenig mulmig sei ihnen schon. Wir haben versprochen, sie zu besuchen, wenn wir in 2 bis 3 Wochen in der Nähe sind.

Neufundland empfängt uns am Abend mit windigen 5 Grad. Brrrrrrr …..

Wir bleiben gleich in Grand Bay East an der Beach stehen. Am nächsten Morgen … es schüttet. Unser Neufundland-Programm beginnt an der Visitor-Info, wo wir sämtliche Prospekte und Kartenmaterial einsammeln. Die Versorgung mit Infos ist hier so gut, dass man auf Reiseführer komplett verzichten könnte.

Das erste Etappenziel ist Rose Blanche. Der Weg hierher wäre sooo schön, wenn es nicht so schütten würde bzw. neblig wäre.
Wir bleiben am Parkplatz des Leuchtturms stehen. Sogar um zum Leuchtturm zu gehen, werden hier 3 Can$ verlangt. Allerdings beginnt die Saison erst am 18.6. und so kommen wir noch kostenlos dorthin.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne!!! Wir springen gleich aus den Betten, ziehen uns an und gehen zum Leuchtturm. Es ist zwar kalt, aber einfach herrlich.

Der Rückweg führt uns zurück bis Port aux Basques und schaut bei Sonnenschein gleich ganz anders aus. Der Fotoapparat läuft auf Hochtouren.

Wir haben gelesen, dass zw. Port aux Basques und Tompkins starke Winde herrschen. Grund ist das Meer auf der einen und die Berge auf der anderen Seite. Die Winde sollen mit bis zu 200 km/h so stark sein, dass Züge und LKW umgeweht werden können. Zur Zeit, als hier in Neufundland noch Züge fuhren, hatte man dafür sogar extra einen Mann eingestellt, der bei Bedarf vor diesen Winden gewarnt hat. Heute informieren sich die Trucker über CB-Funk. Für uns ist es heute zum Glück unproblematisch.

Wir wollen zur Port au Port Peninsula. Auf dem Weg dorthin haben wir atemberaubende Ausblicke auf Meer und Berge. In der Hoffnung auf Wale bleiben wir am Cape St. George stehen, leider ohne Erfolg.

Unser Weg führt uns weiter an der Küste entlang nach Norden bis Lourdes. Der Weg dorthin ist wieder wunderschön. Hans hat sich in der Zwischenzeit überlegt, dass dies eine gute Gelegenheit sei, um seine GoPro-Kamera zu testen. Hier der erste Versuch:

Er richtet alles ein und wir fahren auf demselben Weg zurück und filmen was das Zeug hält. Der Speicher reicht für einige Stunden und somit kann die Kamera eigentlich den ganzen Tag mitlaufen. Fragt sich nur, wer das jeden Tag durchschaut und die unbrauchbaren Stunden löscht …

Auf dem Rückweg machen wir einen Stopp bei den Alpakas in Goose Pond. Diese sind sooo knuffig und lassen sich von Hans sogar füttern.

Jetzt geht es in den Süden nach Burgeo, ca. 150 km entfernt. Auf dem Weg dorthin soll es 20.000 Caribous geben. Und natürlich Elche. Eine Ortschaft gibt es auf dem Weg dorthin nicht mehr.

Die Landschaft ändert sich ständig; Wald, Wald mit Seen, Steppe oder ganz kahl und felsig. Im Ort angekommen, fahren wir in den Provincial-Park, die einzige Möglichkeit, hier in Ruhe zu stehen. Das Tagesticket (ohne Übernachtung) kostet 5 Can$. Der Ranger informiert uns sofort, dass es einen Tages-Jahrespass für die 13 Provincial-Parks in Neufundland und Labrador gibt, der 20 Can$ kostet. Wir entscheiden uns sofort dafür. Das gibt uns Gelegenheit, die Anlagen zu nutzen, einen Waschtag einzulegen oder auch mal einen Regentag hier zu verbringen.

Wir machen gerade ein Kaffeepäuschen, als es an der Tür klopft. „Hello“ sage ich leicht genervt und erwarte das übliche Gespräch … woher, wohin, ist das ein Camper …? Und ich bin ziemlich erstaunt, als ich auf Deutsch gefragt werde, ob ich mal wieder Lust auf ein deutsches Brot hätte. Und wie!!! Sie sei die Bäckerin des Ortes und würde den Provincial-Park jeden Morgen beliefern. Da wir ja nur ein Tagesticket haben und morgen früh nicht mehr hier sein werden, sage ich gleich mein Kommen in ihrem Laden zu. Sie habe keinen Laden, wir können aber gerne bei ihr und ihrem Mann (Mechaniker) vorbeikommen, dann bekämen wir einen Kaffee und eine Brotzeit. Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen.

Von Marion und Didi erfahren wir, dass sie seit 2 Jahren hier sind und seit gestern die „permanent residence“ haben. Sie haben 100 km östlich in in McCallum (70 Einwohner), das nur per Boot zu erreichen ist, ein Haus gekauft und wollten dort eine eigene Werkstatt für Bootsmotoren etc. aufmachen. Das ließ sich so jedoch nicht verwirklichen. Sie müssten entweder 400.000 Can$ investieren oder 2 Jahre als Angestellte in einem Job arbeiten, der nicht mit einem Kanadier zu besetzen sei, um sich selbständig zu machen. So ist er als Mechaniker nach Burgeo gekommen. Und sie hat angefangen, Brot zu backen. Jetzt im Herbst sind die 2 Jahre um und sie gehen nach McCallum.
Wir lassen uns Kaffee und Brezl schmecken und kaufen noch 2 Brote für 10 Can$.

Um spätestens 22:00 Uhr müssen wir den DayPark verlassen. Wir fragen noch mal, ob wir evtl. doch stehen bleiben können, da noch nix los ist … müssen aber den Platz verlassen. So fahren wir 20 km aus dem Ort heraus und am nächsten Morgen wieder in den Park zurück. Wir hoffen, so früh Caribous zu sehen. Und tatsächlich werden wir fündig. An der Straße sehen wir 3 noch verschlafene Tiere.

Dann zieht es uns hinaus in den Park. Hier gibt es einen traumhaften Sandstrand. Und auf einem Hügel einen suuuper Aussichtspunkt. Dies wäre mein Favorit für ruhige Lese-Stunden mit meinem Kindle!!!

Der ursprüngliche Hurrikan Andrea hat uns in der Nacht zum Glück nur noch als Sturm eingeholt. Dazu hat es wie aus Eimern geschüttet.
Wir wollen heute über die Piste bis Buchan. Da können wir dieses Wetter gar nicht gebrauchen …Kaum sind wir aber auf der Straße, wird der Regen auch schon weniger und der Wind lässt ebenfalls nach. Dann wird auch schon die Straße trocken und die Wolken verziehen sich.

Die Piste stellt sich als ziemlich löchrig heraus. Wir holpern von einem Schlagloch ins nächste, bis Hans beschließt, den Reifendruck zu reduzieren. Und schon geht es besser. Mit den Brücken haben wir keine Probleme. Auch wenn sie nicht sehr vertrauenserweckend ausschauen, so soll sie lt. Beschilderung 75 Tonnen tragen.

Und dann sehen wir sie, unsere erste Elchkuh!!!! Sie steht direkt auf der Fahrerseite an der Straße, wird allerdings durch die Fahrgeräusche erschreckt und verzieht sich sofort in die Büsche. Sie hatte ganz dunkles, seidiges Fell (wahrscheinlich vor Fett triefend und stinkig). Ich hoffe, wir sehen heute noch mehrere auf dieser ruhigen Seitenstraße. Und schon sagt Hans: Da, an der Fahrbahn, der dunkle Fleck … sind das Büsche, die auf die Fahrbahn reichen, oder könnte das … und es sind gleich zwei Elchkühe, die sich von uns gar nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern auf der Straße stehen und sich nach uns umdrehen. Wir rollen ganz ruhig direkt darauf zu. Leider sind kurz vorher zwei dicke Schlaglöcher, durch die wir rumpeln und die beiden dann doch erschrecken. Ganz gemächlich verschwinden sie in den Büschen. Da wir unsere GoPro-Kamera haben mitlaufen lassen, dürften die beiden mitten auf der Straße ziemlich gut getroffen sein. Hoffentlich…Hat aber leider nicht geklappt.

Nach 7 Stunden und ca. 200 km kommen wir endlich in Buchan an. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen und bereiten unseren ersten Homepage-Bericht vor. Das beschäftigt uns einen ganzen Tag lang. Am Abend stellen wir uns vor die Bibliothek, wo wir ein sehr gutes WLAN haben und laden den Bericht hoch. Was für ein Stress!!!

Um Eisberge zu sehen, führt uns der nächste Tag nach Twillinggate. Wir stehen am Leuchtturm, wo wir eine tolle Aussicht haben. Hans meint, dass der von mir gesichtete Eisberg eine Insel ist … Mist … Aber vielleicht ist sie ja morgen früh doch etwas näher und entpuppt sich als Eisberg . Wunschdenken …

Wir fahren Richtung Durrell, in der Hoffnung dort einen Eisberg zu sichten. Fehlanzeige. Stattdessen befragen wir jetzt www.Icebergfinder.ca. Genau EIN Eisberg befindet sich vor LaScie, ca 70 km nordwestlich von uns…. Naja, vielleicht ist der ja doch morgen oder übermorgen in Twillinggate … also wieder zurück zum Leuchtturm und warten.
Am Abend spricht uns ein Kapitän auf Wombi an, wir kommen kurz ins Gespräch und fragen, wie lange es dauern kann, bis der Eisberg bei uns ankommt. 1 Woche … kann auch schon mal 2 Wochen dauern … so lange wollen wir uns hier nicht häuslich niederlassen …
Wir erleben noch einen traumhaften Sonnenuntergang …

… und werden am nächsten Morgen um 6:15 Uhr unsanft von der Nebeltröte geweckt. Alles weiß … aber leider kein Eisberg, sondern nur dichter Nebel. Wir drehen uns wieder um, können allerdings nicht mehr schlafen, da man bei jedem Tröten senkrecht im Bett sitzt. Gut, dass der Nebel nicht schon in der Nacht aufzog.

Gegen 9:00 Uhr verzieht sich der Nebel so langsam. Die ersten Sonnenstrahlen kommen durch und der Himmel verspricht heute ein sagenhaftes blau. Eindeutig der schönste Tag bisher auf dieser Reise. Wir machen einen schönen Spaziergang in die nächste Bucht.

In Ladle Cove stehen wir mutterseelenallein in einer traumhaften Bucht. Die Sonne scheint, die Wellen plätschern, weit ab vom kleinen Ort. Wunderschön!

Auf unserem Weg nach Bonavista sehen wir ganz unvorbereitet bei Lumsden einen … Eisberg!!! Und was für einen!!! Trotzdem ist er für ein Foto noch viel zu weit entfernt. Wir fahren auf die Halbinsel hinaus, in der Hoffnung, ihn dort noch besser sehen zu können, doch er versteckt sich genau hinter dem kleinen vorgelagerten Inselchen. Mist. Wir hoffen, dass wir ihn in 2 oder 3 Tagen in Bonavista wiedersehen.

Leider wird das Wetter schlechter, Wolken ziehen auf, wir haben nur noch 8 Grad und es beginnt zu regnen. Wir sind auf dem Weg nach Salvage, einem verschlafenen Fischerdörfchen. Da es jedoch inzwischen waagerecht schüttet, bleiben wir schon in Eastport an einem kleinen Strand mit Picknickplatz stehen. Das Schild „No Overnight-Parking“ übersehen wir mal wieder großzügig. Wir heizen noch mal kräftig ein, da Nachtfrost (Mitte Juni!!!) gemeldet wird.

Im Terra-Nova Nationalpark gibt es im visitor center einen „marine touch tank“. Was immer das ist … Wir gehen hinein und finden gleich mal eine lärmende Grundschulklasse vor. Dann haben wir den touch tank auch schon entdeckt. Es ist ein offenes Aquarium mit Krabben, Krebsen, Seegurken, Seeigeln, Seesternen etc. Die Kinder umlagern es gleich und wir können am Vortrag der Nationalpark-Mitarbeiterin über die genannten Tiere teilnehmen. Die Tiere werden der Reihe nach aus dem Aquarium geholt. Uns wird erklärt, welches Tier man wie anfassen muss/kann. Dann dürfen wir selbst Hand anlegen. Hans traut sich sogar an die riesige snow crab heran, während ich nur den Seestern und den Seeigel anfasse. Ganz schön spannend, so eine Grundschul-Führung!!! Jedenfalls haben auch wir viel Spaß dabei.

Die Straße nach Bonavista hat schon russische Verhältnisse und ist sehr holprig. Hans meint, wir seien keine Kartographen und können nicht jeden Weg auf Neufundland abfahren. Wir müssten entscheiden, welche Peninsulas und Buchten wir anfahren wollen, zumal viele nur eine kilometerlange Stichstraße sind und wir den Weg auch wieder zurückorgeln müssen.

Bonavista entpuppt sich dann aber doch als ganz interessant. Wir schauen uns die Ryan Premises an, eine Fischfabrik, die Büros und das Herrenhaus um 1920, die jetzt als Museum hergerichtet sind (Eintritt im Kanada-Pass enthalten). Soweit ganz interessant. Im Herrenhaus ist jedoch nur das Esszimmer wie früher eingerichtet, die anderen Räume sind leer, da Originalmobiliar nicht mehr erhalten ist. Deshalb soll es in diesen Räumen die Ausstellung eines Malers geben. Diese verzögert sich allerdings … Soviel mal wieder zur Touri-Trap.

Wir finden unseren Nachtplatz am Cabot-Memorial gleich unterhalb des Leuchtturms. Allerdings führt ein Kreisel darum herum und obwohl wir abseits stehen, haben wir das Gefühl, als würden alle um uns herum fahren, immer schön der Reihe nach. Wir fühlen uns wie die Affen im Zoo und ich bin kurz davor ein Schild mit der Aufschrift „do not feed“ anzubringen. Eine Donation-Box wäre vielleicht auch nicht schlecht…Trotzdem haben wir eine ruhige Nacht.

Wir machen einen Abstecher nach Trinitiy. Die Häuser sind wie zu Ende 19. Jhd., Anfang 20. Jhd. wieder hergerichtet und beinhalten zum Teil Museen, z.B. einen Schmied, der noch wie in alter Zeit arbeitet, einen alten Kaufmannsladen etc. Auch das Infogebäude ist sehr nett hergerichtet und informativ. Und dann gibt es noch Aunt Sarah, eine Chocolaterie … aber ich kann der Versuchung widerstehen …

Auch die älteste Holzkirche Neufundlands von 1833 ist sehr schön anzusehen und kann von innen besichtigt werden. Das mit der Predigt üben wir noch mal …

Dann machen wir uns auf den Weg nach Old Perlican an der Trinity Bay auf der Avalon-Peninsula und wollen dort unsere Bekannten treffen, die wir an der Fähre von Nova Scotia nach Neufundland kennengelernt haben. Was für ein herzlicher Empfang bei Margaret und Ray!!! Wir hocken den ganzen Nachmittag zusammen, essen gemeinsam und schauen am Abend Fotos von unseren Stammtischen an. Ray, der 41 Jahre lang im eigenen Truck durch Kanada und USA unterwegs war, ist begeistert . Wir bleiben über Nacht, haben ein langes, gemeinsames Frühstück und verabschieden uns gegen Mittag. Wir sind sicher, dass wir uns irgendwo noch mal über den Weg laufen werden.

Am nächsten Tag sehen wir an der Conception Bay plötzlich 3 Elchweibchen mitten auf der Straße stehen. Sie lassen sich nicht von uns stören und wir können sie in Ruhe beobachten und fotografieren, bis auf der Gegenfahrbahn ein LKW kommt und sie hupend vertreibt.

In Harbour Grace sehen wir noch im letzten Moment (wg. Nebel) den Flieger, mit dem Amelia Earheart als erste Frau 1926 den Atlantik überquert hat. Das alte Schiff, das gleich daneben im Meer liegt, können wir nur schemenhaft erahnen. Avalon im Nebel!

In Brigus schauen wir uns die Hawthorne Premises an (im Kanada-Pass enthalten). Unglaublich, was Bartlett Anfang des 19 Jhd. alles gemacht hat. Er war nicht nur Kapitän bei zahlreichen Expeditionen, sondern hat auch die amerikanischen Zoos mit Eisbär, Walross und Moschusochsen ausgestattet. Zeitweise hatte er diese in seinem Garten (natürlich zur allgemeinen Belustigung im Ort … man stelle sich einen Eisbären im Garten vor), bevor sie weiter nach New York segelten …

In Mt. Pearl legen wir einen Versorgungsstopp ein. Als ich nach einigen Minuten aus dem Supermarkt zurück komme, ist Hans nicht mehr allein. Ein Schweizer Paar mit einem MAN steht neben ihm. Eine willkommene Abwechslung. Renate & Bruno sind bereits seit 13 Jahren unterwegs (http://pepamobil.jalbum.net), davon die meiste Zeit in Südamerika.
Jetzt haben sie in etwa unsere Route. Wir verbringen zwei Tage gemeinsam am Cape Spear, dem östlichsten Punkt Canada.

Kaum angekommen, sehen wir hier auch schon unsere ersten Wale. Sie schwimmen ganz nah an die Küste heran, so dass man sie super beobachten kann. Leider jedoch zu weit weg, um sie auf ein Foto zu bannen.

Wir schauen uns noch den Leuchtturm an, der wie zu Beginn 1830 wieder eingerichtet wurde. Sehr schön gemacht. (im Kanada-Pass enthalten)

Danach geht es für ein paar Tage in Neufundlands Hauptstadt St. Johns und wir lassen uns vom Kulturangebot berieseln, Leuchtturm, Museum, noch mal Museum, Innenstadt …

Bei traumhaftem Wetter geht es zum Cabot Tower auf den Signal Hill. Wir trudeln pünktlich um kurz vor 12:00 Uhr ein und können uns gleich das Spektakel um den Kanonenschlag anschauen.

Hier im Cabot Tower hat Marconi 1901 die erste Transatlantik-Nachricht übermittelt.

Ein kurzer Spaziergang führt uns weg vom Cabot Tower auf eine Aussichtsterrasse, von der aus man einen Adler auf seinem Nest sehen kann. Hans hat glücklicherweise sein Fernglas mitgenommen und so können wir ihn recht gut beobachten. Das schaut schon sehr majestätisch aus, wie dort oben hockt. Suchbild … siehe unten.

So sah er aus …

Für den Abend haben wir uns mit den Schweizern am Middle Cove verabredet. Hier kommen um diese Jahreszeit für 2-3 Wochen bei Flut Schwärme von Caplins (wie große Sardinen) ans Ufer. Diese kann man dann mit einem Netz problemlos fangen. Gebraten oder gegrillt sollen sie sehr lecker sein.

Ein riesiges Spektakel geht hier am Abend ab. Der Strand ist rappelvoll mit Einheimischen, die auf die Caplins warten und hier gleich ihr BBQ abhalten. Allerdings lassen die Fische auf sich warten. Erst heißt es, dass sie ab 17:00 Uhr eintrudeln, dann 19:30 Uhr, dann 20:30 Uhr … Wir haben keine Lust mehr, zu Warten und ziehen uns zurück. Um 22:00 Uhr wird der Menschenauflauf noch größer. Anscheinend ist jetzt Flut und die Fische treiben in die Bucht. In Null komma Nix sind die Schüsseln gefüllt und das Spektakel hat ein Ende. Jetzt wird gegrillt. Das letzte Auto verschwindet gegen 2:00 Uhr früh vom Parkplatz.
Da Caplin auch von Walen gefressen werden, kommen diese oft mit ihnen in die Bucht. Allerdings sehen wir heute keine.

Bei Regenwetter verbringen wir einen ganzen Tag im St. Johns Geo-Center (12 Can$ pro Person). Im Halbstundentakt gibt es Führungen, Präsentationen oder Kino. Und dazwischen will man sich ja auch noch die Ausstellung über die Geologie Neufundlands und Labradors anschauen. Angefangen von den Planeten über die Provinz und wie sich diese gebildet hat, die Menschen und deren Abhängigkeit von den Ressourcen bis hin zur Zukunft und Weltraumforschung. Sehr, sehr gut gemacht und wahnsinnig interessant. Dieses Museum ist auf jeden Fall sein Geld wert und bei einem Regentag nur zu empfehlen!

Hans nutzt die Zeit und fliegt noch mal eben auf die Ölplattform Hibernia.

Zufällig gibt es am Abend noch einen kostenlosen Vortrag von einem Mediziner über die Gesundheitsprobleme von Astronauten auf der ISS. Er hat einige Jahre als technischer Mediziner in Köln gearbeitet und auch die Astronauten von der Erde aus betreut. Sehr interessant.

Am nächsten Tag gehen wir zur „Mile 0“ des Trans-Canada-Highway (TCH). Hier ganz im Osten Kandas beginnt der TCH und führt durch JEDEN Bundesstaat bis in den Westen. Auf diesem werden wir uns mit einigen Abstechern immer wieder bewegen.

Ganz interessant ist auch die Gedenktafel für die Chinesen, die Anfang des 20. Jhd bei Immigration eine Kopfsteuer von 300Can$ zahlen mussten (was einem 3-Jahres-Lohn entsprach). Nachdem an einem Tag über 50 Chinesen eingewandert waren, wurde diese Kopfsteuer erhoben. Die Chinesen ließen sich hier nieder und haben manuelle Wasch-Salons eröffnet und diese bis in die 80er Jahre aufrecht erhalten, bis in jedem Haushalt die Waschmaschine Einzug gehalten hatte.

Hier noch ein paar Eindrücke aus der Innenstadt:

Hans schaut sich danach noch das Railway Museum an, während ich die Zeit nutze, und mich um diesen Bericht kümmere ;-).

Für den Abend wissen wir, dass das Kunstmuseum „The Rooms“ am Mittwoch von 18:00 bis 21:00 Uhr kostenlos ist. Das nutzen wir natürlich aus. Hier gibt es eine Mischung aus Kunst und Kultur. Sehr interessant gemacht und für jeden etwas dabei. Nach 2 Stunden mögen wir allerdings nicht mehr und sind auch nicht mehr aufnahmefähig.

Wir haben nun genug von der „Großstadt“ und machen uns auf den Weg nach Süden zum Cape Race. Wider erwarten ist es den ganzen Tag trocken, wenn auch kalt. Die Strecke ist abwechslungsreich und einfach herrlich: Wald, Fjord, Tundra. Wir genießen den Tag auf der Straße. Die letzten 20 km geht es über Schotterpiste, die jedoch besser ist als erwartet.

Hier am Cape Race wurde der erste Notruf der Titanic empfangen, an einer von Marconi aufgebauten Funkstation.

Und hier steht ein Leuchtturm … und was für einer. Die Lampe hat einen Durchmesser von ca. 4 m und entsprechend ist die Leuchtkraft von 1 Mio Kerzen.
Leider zieht in der Nacht Nebel auf und wir stehen fast neben der Tröööte … Na ja, irgendwann hören wir auch das nicht mehr und schlafen wieder ein.

Allerdings hält uns der Nebel für 3 Tage gefangen. Angeblich nebelt es hier mehr als 200 Tage im Jahr, wenn insbesondere im Sommer warme, feucht Luft über das kalte Wasser weht. Ich will hier weg, bevor ich einen Nebelkoller bekomme.

So endet dieser für uns sehr abwechslungsreiche und interessante Monat in Neufundland wie er begonnen hat … im Nebel …

Aktueller Reiseverlauf in Neufundland („click“ zum Vergrößern)

Allgemeine Infos

Wider Erwarten ist Diesel hier doch nicht teurer als in Nova Scotia und kostet im Durchschnitt 1,32 Can$/L

Milchprodukte sowie Obst- und Gemüse sind hier noch mal teurer als in Nova Scotia
12 Eier = 3,80 Can$
1 Liter Milch = 2,50 Can$
1 Camembert (175 g) = 6,60 Can$
1 kg Paprika = 9,90 Can$
1 kl. Eisbergsalat = 3,50 Can$
1 Pfd. Erdbeeren = 4,00 Can$

Camping zw. 20 Can$ nur fürs Übernachten und 40 Can$ all inc. in der Hauptstadt St. Johns.

Aktueller Wechselkurs: 1 € = 1,35 Can$

Das Wetter ist weiterhin sehr durchwachsen, von eisig kalt bei 6 Grad und Regen bis hin zu 22 Grad und strahlendem Sonnenschein.

Die Newfies (wie sich die Neufundländer nennen) sind sehr, sehr nett und hilfsbereit. Allerdings fühlen wir uns manchmal wie die Affen im Zoo und sind kurz davor ein Schild mit der Aufschrift „do not feed“ anzubringen. An unseren Nachtplätzen, die teils weitab vom Ort liegen schaut es oft so aus, als würden alle schön langsam und der Reihe nach an uns vorbeifahren. Eine Donation-Box wäre vielleicht auch nicht schlecht…

Wenn wir sie nach dem Wetter des nächsten Tages befragen, bekommen wir immer nur Schulterzucken zur Antwort: rain, wind, fog … das interessiert hier nicht wirklich.

Die Visitor-Information hier sind so gut mit Kartenmaterial und Prospekten ausgestattet, dass man auf Reiseführer verzichten könnte.

Übrigens haben wir in Neufundland nur 4,5 Stunden Zeitverschiebung zu daheim. Wir wussten gar nicht, dass es halbstündige Zeitzonen gibt…

5 Gedanken zu „3.6. – 30.06.2013 – Neufundland Teil I – 3.248 km

  1. graeme neal

    Habe meine Tüv für den alten Unimog letzte Woche – zum ersten Mal ohne Probleme (und zum ersten Mal, dass Sie nicht da waren 🙂 ) – mindestens 4 neue Leute, die dort arbeiten in Wolfratshausen – auch keine Ahnung von Unimogs

    Tolle Bilder und gut zu sehen, dass Sie Fortschritte machen – drive safe!

    Antworten
  2. Icelandbus 1.1

    Suuuuuuper! 😀 😀 😀
    Ich warte sehnsüchtig auf Eure Berichte. Die machen Spaß.
    Schade, dass Ihr mit den Eisbergen nicht so richtig Glück hattet. Ich habe heute gerade im Moma einen Bericht gesehen, in dem darüber berichtet wurde, dass es im Moment richtig viele Eisberge vor Neufundland gibt.
    Wollt ihr Eure Tour auch auf 13 Jahre ausdehnen? 😉 Finde das echt klasse!
    Kann den nächsten Bericht kaum erwarten.

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      @ Anke:
      Wir hoffen, dass wir in Labrador noch reichlich Eisberge zu sehen bekommen.

      @all:
      DANKE für die vielen lieben Antworten auf unserer Homepage.

      Uns geht es gut, alles läuft nach Plan und das Wetter ist mittlerweile traumhaft.

      Liebe Grüße aus Neufundland,
      Karola & Hans

      Antworten
  3. lp520

    Hallo Karola, hallo Hans,

    toller Bericht. Super Mischung aus Information und der Erzeugung von
    Fernweh aufgrund der Bilder.
    Weiterhin alles erdenklich Gute und vor Allem Gesundheit.

    Ralf und Kristina (Erstbesucher auf Eurem Abschiedsstammtisch)

    Antworten
  4. Margot und Herbert

    Hallo ihr beiden Weltenbummler,

    wir sind begeistert von eurer Reise und dem tollen Bericht über Neufundland. Sehr schöne Aufnahmen und alles super und humorvoll geschrieben. Weiter so.

    Euch wünschen wir weiterhin gute Fahrt und für uns, als Daheimgebliebene, immer wunderschöne Reiseberichte.

    Liebe Grüße aus Deutschland
    Margot und Herbert

    Antworten

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